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Dienstag, 12. Januar 2010

Kleine Geschichtsstunde: Der Neo-Geo

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Es gibt drei Sorten von Menschen:

  1. Menschen die den/der/die/das Neo Geo kennen
  2. Menschen die nicht in den 1990er Jahren aufgewachsen sind
  3. Unglaubliche Ignoranten ohne jedes bisschen Ahnung von Videospielkultur

Sollte der geneigte Leser sich einer der genannten Gruppen zugehörig fühlen und keinen blassen Schimmer haben was ein Neo Geo ist und warum es so unglaublich (ja wirklich unglaublich extrem mega krass derbe) cool ist folgt hier ein kleiner geschichtlicher Abriss:

Bis zum Ende der 1980er Jahre gab es Videospiele in erster Linie in Spiel- bzw. Arcadehallen. Natürlich war der C64 als Vertreter der Heimcomputer bereits seit Anfang der 1980er auf dem Markt, ebenso das Sega Game 100 (SG-1000) als einer der ersten Heimvideospielkonsolen, aber alles in allem spielten sich (die guten) Videospiele (für die „Masse”) in Arcadehallen.

Beispiele hierfür wären z.B. Spy Hunter von 1983 oder Arkanoid von 1986. Klassische Arcadespiele die dann später auch für Konsolen und/oder Heimcomputer umgesetzt wurden. Ihren Ursprung und ihren Erfolg hatten sie aber in der Arcade.

Ender der 1980er bahnt sicher aber ein Umschwung an, Heimcomputer und Videospielkonsolen werden verstärkt von Markt angenommen und fanden sich in immer mehr Haushalten. Die Vorteile lagen klar auf der Hand: Anstatt fernab der gemütlichen Couch sein Geld in einen der diversen Automaten zu werfen konnte man zu Hause auf der Couch bleiben. Die Konsolen hatten die Spiele nicht wie ein Arcadeautomat fest verbaut sondern als Steckmodul zum austauschen. Wurde das Spiel langweilig oder erschien ein bahnbrechender neuer Titel musste man nur diesen kaufen und in das bestehende System einstecken.

Neo Geo Arcadeautomat mit MVS
Neo Geo Arcade Automat mit MVS

Die Idee mit den wechselbaren Spielmodulen kam aber nicht nur bei Heimkonsolen gut an, die Firma Shin Nihon Kikaku, oder besser bekannt als SNK (mittlerweile SNK Playmore), entwickelte einen Arcadeautomaten der einen Heimkonsole nicht ganz unähnlich war: Das Neo Geo Multi Video System (im weiteren als MVS bezeichnet), eine Basis-Plattform für Arcadeautomaten mit austauschbaren Modulen. Der Betreiber einer Arcadehalle konnte nun einfach neue Spiel-Module für das MVS kaufen und somit sein Angebot erweitern ohne jedes mal die gesamte Hardware austauschen zu müssen. Ein einziges MVS konnte mit bis zu 6 verschiednen Modulen bestückt werden: 1 Automat = 6 verschiedenen Spiele zwischen denn man beim Start auswählen kann.

Neo Geo AES
Neo Geo AES

Wenige Zeit später entwickelte SNK dann auch eine Heimversion des Neo-Geo MVS Arcadesystems, das sogeannte Advanced Entertainment System (AES im weiteren) war von der Hardware ebenbürtig mit dem MVS konnte jedoch, wie bei Heimkonsolen üblich, nur ein Spiel gleichzeitig beherbergen. Das SNK im AES die selbe Hardware wie im Arcadesystem verbaute waren die Herstellungskosten enorm was in einem noch viel höheren Verkaufspreis resultieren würde. Daher entschied man sich das AES nicht zu verkaufen sondern nur über Videotheken zu verleihen, niemals hätte man bei SNK angekommen das ein Kunde 650$ allein für die Konsole und rund 300$ für jedes Spiel zahlen würde.

Aber das taten sie. Mit der Veröffentlichung des AES auf den japanischen Markt musste man sich bei SNK eingestehen das die begeisterten Spieler sich das AES nicht ausliehen sondern kauften - ohne Rücksicht auf die Kosten. Das Neo-Geo AES - die Arcade für daheim - für alle die es sich leisten können.

Neo Geo CD
Neo Geo CD

Vier Jahre später brachte SNK dann eine überarbeitete, wesentlich günstigere Variante ihrer Heimkonsole auf den Markt: Das Neo-Geo CD (NGCD im weiteren). Anstatt 650$ wie das AES kostet das NGCD nur 300$ - gerade einmal so viel wie ein AES Spiel. Bei der Entwicklung des Neo-Geo CD hatte man in erster Linie auf die Produktionskosten geachtet und sich somit gegen die sehr teuren, großen Speichermodule für die Spiele entschieden und stattdessen auf CDs gesetzt.

CDs waren äußerst günstig und so konnten die Spiele für rund 50$ angeboten werden - das sind 150$ - 250$ günstiger als ein einziges Spiel für das Neo-Geo AES. Das muss man sich mal vorstellen.

Die großen und teuren Module des AES konnte zwischen 300Mbit - 700Mbit an Spieldaten beinhalten und aufgrund des direkten Zugriffs auf den Modulspeichern kannte man beim AES so gut wie keine Ladezeiten. Das sollte sich nun mit dem NGCD ändern. Bedacht auf eine sehr günstige Herstellung bekam der NGCD lediglich 58Mbit an RAM - wesentlich weniger als eines der kleinen AES-Module an Speicher fassen konnte. Anstatt direkt vom Modul mussten beim NGCD die Daten erst einmal vom Datenträger gelesen und dann in die knappen 7MB RAM verfrachtet werden. Dies konnte nur zu einem führen: Ladezeiten.

Aufgrund des geringen Speichers treten je nach Spiel Ladezeiten von 30s - 120s auf - und das nicht nur beim Starten, nein auch bei jedem Levelwechsel. Immer dann wenn neue Daten von der CD angefordert werden müssen. Die 58Mbit RAM sind der Falschenhals und das größte Manko am NGCD - aber unter Berücksichtigung des sehr erheblichen Preisunterschiedes zwischen AES und NGCD kann man durchaus etwas warten und mit etwas beschnittenen Spielen leben. Das Arcade-Feeling gibt es trotzdem.


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