Disclaimer:
Es folgt eine ernst gemeinte, teils dokumentarische, sicherlich überflüssig aber dennoch unterhaltsame Geschichte
mit einem Beigeschmack von Information. Dennoch handelt es sich nicht um Infotainment sondern um die Darlegung
eines Umstandes bzw. Geschehnisses einer erneuten Entscheidungsfindung die unter gewissen Gesichtspunkten
nicht darlegenswert ist. Da ich mich selbst beim Schreiben aber recht gut unterhalten habe herrscht lediglich
die Gefahr den Leser zu ermüden was hinsichtlich der Intention meiner eigenen Unterhaltung zu vernachlässigen ist.
Jetzt geht es los
Eines zu Beginn: Es wird nicht einfacher. Jeder der glaubt der Kauf der zweiten DSLR wäre leichter als
beim ersten Mal der irrt - man weiß nur genauer was man nicht will. Aber am besten sollte ich am Anfang beginnen,
nicht ganz am Anfang denn das würde den Rahmen eines jeden Textes sprengen und das wird wahrscheinlich eh passieren, also beginne ich mit dem Anfang
meiner ersten DSLR-Erfahrung:
Es war 2006 und es war Sommer, ich wollte mich von meiner digitalen Kompaktkamera verabschieden. Lange Zeit
hatte ich eine Konica Minolta Z2 im Einsatz und konnte dank einer alternativen „gehackten” Firmware ein wenig
vom Geschmack der Freiheit kosten: Der Freiheit RAW Daten aus dem Gerät zu bekommen.
Wirklich angenehm war das aber nicht, die RAW-Daten waren erstmal nicht mehr als eine Sammlung von Datenmüll,
denn bevor man an das RAW kam mussten die exportierten Dateien konvertiert werden. Ich meine dies jetzt nicht
im Sinne einer Konvertierung der RAW Daten hin zum Bild, nein erstmal von irgendwelchen Daten hin zum RAW.
Das Prozedere lief ungefähr wie folgt ab: Pseudo-RAW.JPG exportieren, Pseudo-RAW.JPG nach RAW konvertieren, RAW entwickeln.
Jedes mal mit einem kryptischen Script alle Daten konvertieren zu müssen war alles andere als ein Spaß, kurz- bis
mittelfristig musste also eine richtige Lösung her. Eine DSLR musste her.
Kurioserweise konvertierte das oben angesprochene Script die Pseudo-RAWs nicht in irgendein RAW-Format, auch
nicht in ein Konica/Minolta Format sondern in NEFs, das Nikon RAW Format. In meinem Streben nach
digitaler Vollendung war es also nur konsequent die so erstellten NEF-Raws mit der besten Lösung zu entwickeln.
Mit Nikon Capture.
Ohne zu diesem Zeitpunkt jemals eine Nikon Kamera in der Hand gehabt zu haben, geschweige denn ein echtes NEF
auf der Platte lernte ich Capture kennen und sowohl das Tool wie auch der Workflow und die damit verbundenen
Ergebnisse gefielen mir. Ja sie gefielen mir sogar außerordentlich gut.
Geprägt von diesen Erfahrungen war es nun also im Sommer 2006 und es sollte eine DSLR her. Die Wahl eines Herstellers
war dann nicht all zu schwer: Cannon traute ich nicht, da diese meiner Meinung nach ja alles und nichts herstellten und
mit Nikon hatte ich ja bereits, zu mindestens von der Softwareseite aus, gute Erfahrungen gemacht.
Die Wahl eines Modells viel dann schon wesentlich schwieriger und so wälzte ich tage- wenn nicht wochenlang
Datenblätter, lass Test und Vergleiche um schlussendlich das einzig richtige zu tun: Dem Budget ein Limit setzen,
zum Fachhändler gehen und die Teile mal in der Hand halten und ein bisschen mit spielen. Das Handling muss
stimmen - der Rest ist eigentlich nicht so wichtig. Es wurde dann eine D70S mit der ich auch einige Zeit meinen Spaß
hatte, die dann einige Zeit mehr oder weniger genutzt rumlag bis sie wieder vermehrt genutzt wurde, bis sie wieder
rumlag bis sie im November letzten Jahres kaputt ging.
Argh - sie ist kaputtgegangen, oder richtiger: Ich habe sie kaputt gemacht - irgendwie aus Versehen, ohne Absicht! Das Ende vom Lied war
auf jeden Fall eine defekte D70S und ein Kostenvoranschlag für die Reperatur der weit über den Restwert des Gerätes ging. Ich hasse Technik, kaum aus dem Laden und 2-3
Jahre ist sie keinen Pfennig mehr wert. Sie blieb also kaputt. Als Techniknerd sieht man in kaputten Geräten ja auch immer etwas gutes: Denn wenn es
kaputt geht kann sich etwas besseres, etwas neues kaufen. Da man aber nicht nur Techniknerd ist sondern ein vernunftbegabtes
Wesen wägt man diesen Gedanken doch lieber mehr als zweimal ab. In meinem Fall mit dem Fazit das ich
mir Ende 2008 nicht wirklich die Zeit nehmen wollte weiter zu fotografieren - schongar nicht wenn dies mit einem
nicht unerheblichen Kostenfaktor verbunden wäre.
Ich blieb also ohne Kamera und musste mich regelmäßig deswegen ärgern. Schon wieder ein Motiv verpasst, einen Moment
nicht festgehalten, eine Idee nicht umsetzen können, keine Freude am Fotografieren gehabt. Ja aber die Zeit,
ja aber das Geld - ja aber warum eigentlich nicht - ach ja, ach aber…
Es war 2009 und es war Sommer, ich hatte immer noch keine neue Kamera - sehr betrüblich aber doch in jeder
Hinsicht selbstverschuldet. Immer wieder schaute ich mir online all die neue Modelle an - ja sogar die Gebrauchtpreise
- aber da kommen einem ja nur die Tränen. Erwähnte ich schon das Techniker so schnell nichts mehr wert ist? Hin und wieder mal beim Fotofachhandel gegenüber durchs
Fenster gelugt, die hatten doch glatt ne Nikon D300 als Gebrauchtgerät für nicht mal ganz verkehrtes Geld - aber nein, obwohl warum denn nicht - ach nein
lieber doch nicht weil ja hmm…
Jetzt haben wir Ende November 2009 und ich hab immer noch keine neue Kamera. Aber heute habe ich das Problem gelöst,
unter Berücksichtigung aller Faktoren und den Eindrücken des letzten Jahres bin ich vor etlichen Stunden zu dem
Schluss gekommen das sich daran etwas ändern muss, und zwar gleich.
Das Spiel von 2006 ging also von vorne los: Welche DSLR soll es denn werden? Beim zweiten mal wird es nicht einfacher.
Man kennt schon min. ein System, eine Handhabung, ein Format, die Software, Tricks und Kniffe. Man hat schon Geld
in Objektive investiert - zum Glück nicht zuviel. Aber das allerschlimmste ist: Als Techniknerd und Enthusiast ist
man darauf erpicht sich bzw. das Hardwaresetup zu bessern. Also erstmal den Mark betrachten, Test lesen, Vergleiche, Forenbeiträge durchwühlen, etc.
und abwägen was da so in Frage kommt:
- Nikon D300 - Nicht mehr die Jüngste aber bewährt und robust, 12 MP DX Sensor Crop 1,5 - ein geiles Gerät.
- Nikon D300S - Ziemlich neu, erst ein paar Monate alt aber zur D300 kein großer Unterschied: SDHC neben CF und die Möglichkeit 720p HD filmen zu können. Sehr cool aber „nur” ein Update der D300.
- Nikon D700 - Ein einziger Traum, super geiles Gerät, FX Sensor - VOLLFORMAT 12MP, so gut wie kein Rauschen. Man kann hier auch von Kameraporn sprechen obwohl sie keine Videos aufnehmen kann
- Canon 7D - Frisch auf dem Markt, 18MP Crop 1,6 - 1080p Videoaufnahme bis zu 4GB. Wie geil ist das denn? Aber Cannon und somit nen anderes System…
- Canon 5D MK2 - 21,1 MP V-O-L-L-F-O-R-M-A-T - 1080P Video und so weiter und so fort. Lecchzzz - ja ne wahrscheinlich eher nicht.
Dann wendet man sich wieder der Realität zu: Cannon traue ich zwar mittlerweile aber ich werde keinen Revolution anzetteln und einen Systemwechsel machen um dann meine vorhanden Objektive
als Revolutionsopfer zu beerdigen. 7D und 5D scheiden also schonmal aus. D300 VS. D300S kein großer Unterschied - weder bei den technischen Daten noch beim
Preis, aber 720P Videoaufnahmen der D300S reizt. Die D300 wird gestrichen. Bleiben D300S und D700 - DX gegen FX.
Moment: Da war ja noch etwas: Budget Limit setzen. Wenn man nur DX-Objektive hat bedeutet dies beim Kauf der D700 das man sie
zwar nicht beerdigen muss aber Spaß macht das auch nicht. Wenn es also die D700 werden soll muss mindestens noch ein neues Objektiv
abgeschafft werden. Unter Berücksichtigung des Preises der D700 und der damit verbunden Anschaffung eines neuen Objektives
fällt diese Option weg. Die D700 wird gestrichen und die D300S bleibt alleine auf dem Feld stehen.
Wenn man sich ein Limit/Ziel setzt dann ist es vertretbar dieses auch erreichen zu wollen: Es darf also ein bisschen mehr als nur die D300S sein.
Ich überlege nicht lange denn ein Makro-Objektiv steht schon lange auf meiner Wunschliste. Am besten eines das man auch schön für
Portraits einsetzen kann. Einen Moment später notiere ich mir auf einem gelben PostIt Notizzettel: „Die Legende: Tamron SP 2,8 90mm Macro 1:1”.
Ein paar Gedanken später fällt mir ein das es für die D300S im Gegensatz zur 70S sicher einen Batteriegriff gibt. Beim Durchstöbern
der Angebote des auserwählten online Kistenschiebers entdecke ich ihn, doch noch bevor er im Warenkorb landet schweift der Blick auf
eine günstige 35mm Festbrennweite bei 1.8. Es entsteht ein Konflikt in mir: Entweder Batteriegriff oder Festbrennweite - Griff oder
Glas mit effektiven 50mm Normalperspektive. Ich brauche keinen Griff - es gibt auch Ersatzakkus, ich entscheide mich für das weitere
Objektiv. Das Limit ist erreicht. In dem Wissen das ich mich seit geraumer Zeit ausserhalb der Welt des Pizzamanns befinde schicke ich die
Bestellung ab. Die Bestellbestätigung wird als Spam markiert und ich frage mich warum ich nicht schon vor einem halben Jahr ein
neues Gerät angeschafft habe. Ahh genau: Die 300S war doch erst im August erschienen - zum total übertriebenen
Einführungspreis, durch mein Zögern habe ich unbewusst bares Geld gespart Geld in Objektive investiert, nicht
den Einführungspreis gezahlt, nicht den Fehler von 2006 wiederholt.
Es wird also nicht leichter die zweite DSLR anzuschaffen - den Vorteil den ich jetzt allerdings haben ist das ich bei der Dritten nur noch dieses Beitrag
lesen und um meine neuen Erkenntnisse erweitern muss um zu einer Entscheidungsfindung zu gelangen.